Senior Experte Gerald Lachmair über seinen Einsatz in Indien

„Ich habe viel gegeben und am Ende war ich der Beschenkte!“ Dieser Satz geht mir nicht aus dem Kopf und ich muss immer wieder lächeln, wenn ich an die Zeit in Indien zurückdenke.

Es war nicht mein erster Besuch in diesem aufstrebenden Land, bereits vor 35 Jahren war ich als Mitarbeiter eines Medizintechnik-Unternehmens aus beruflichen Gründen in New-Delhi und Mumbai (Bombay). Bei meiner jetzigen Ankunft in Hyderabad habe ich die positiven Veränderungen in diesem Land erstaunt zur Kenntnis genommen. Meine Aufgabe bestand in der Abwicklung des Projektes FUSSBALL in Zusammenarbeit mit den Salesianern der DON BOSCO Organisation in der Provinz Telangana. Als Schwerpunkt wurde die Don Bosco Academy in Nalgonda – 150km westlich von Hyderabad – ausgewählt. Die Aufnahme durch den Projektleiter, Pater Saratj, und durch die Schulleitung war ganz besonders herzlich. Ich war eingebettet in die Organisation wie in einer neuen Familie. Die lokalen Umstände betreffend Sportstätten, Trainingskleidung und Utensilien entsprechen (noch) nicht unserem europäischen Verständnis. Dieser Umstand wurde locker wettgemacht durch den Eifer den Burschen und Mädchen bei den Trainings und den Wettbewerbsspiele.

Ich habe viele unvergessliche Momente mit meinen indischen Freunden erlebt. Über ein außergewöhnliches Ereignis muss ich dennoch stellvertretend für viele erzählen. Wir haben als Don-Bosco-Academy-Nalgonda an einem Fußballturnier in einer anderen Stadt teilgenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese Mission noch nie sehr erfolgreich. Diesmal wurde überraschend der 3. Platz erreicht und wir bekamen dafür einen Riesenpokal überreicht. Die Freude beim Team und den Verantwortlichen war groß. Mitglieder der anderen Teams beglückwünschten uns wegen unserer Spielfreude und der disziplinierten Organisation während des Spieles. Bei der Rückfahrt mit 7-stündiger Zugverspätung der Indischen Eisenbahngesellschaft kamen wir erst spät in der Nacht in Nalgonda an. Bei der anschließenden Busfahrt zu Schule schliefen schon manche. Plötzlich hörten wir bereits außerhalb der Schule laute Rufe und fröhliche Laute. Die gesamte Schule wartete auf uns Heimkehrer und feierte ausgelassen den Gewinn des Pokales. Es war, als hätten wir die Fußball-Weltmeisterschaft für Indien und Don Bosco gewonnen. Dieser Moment war für alle Beteiligten und mich so unbegreiflich schön, dass Tränen über meine Wangen liefen und ich mich hemmungslos für diese meine Spieler freuen konnte. Mein persönliches Glücksgefühl und die innere Zufriedenheit in diesem einzigartigen Moment sind mit Worten nicht beschreibbar. Alles Nebensächliche ist von mir abgefallen und ich habe erleben dürfen was wirklich wichtig ist im Leben. Und auch jetzt, wenn ich diese Zeilen schreibe, erlebe ich diese Sternstunde nochmals und wiederum habe ich Tränen in den Augen. Meine Zeit in Indien, meine Erlebnisse und meine Freunde werden immer Teil meiner Erinnerungen bleiben und ein Teil meines Herzens ist in Indien geblieben. Gekommen als Besucher, gegangen als Freund!

„Ich habe viel gegeben und am Ende war ich der Beschenkte!“